Cosmonauts and Black Sheep

 

                                     Photo by Poligonal © Poligonal

Berlin ist eine Stadt der Vielen und des Vielen – eine Stadt der Migration und der konstanten Veränderung. Die Großstadt mit den Grenzen wie wir sie heute kennen, wurde erst vor 100 Jahren aus einer Unzahl von Kleinstädten und Gemeinden zu 20 Bezirken Groß-Berlins vereinigt – gleichzeitig feiert  die Stadt 30 Jahre Wiedervereinigung: zwei Jubiläen der urbanen und gesellschaftlichen Vielfalt Berlins. Wir möchten dies zum Anlass nehmen, die identitätsstiftende Migrationsgeschichte der vergangenen Jahrhunderte bis zur Gegenwart zum Leben zu erwecken.

In immersiv künstlerischen Klang-Spaziergängen in den ehemaligen West- und Ost-Bezirken Marzahn und Reinickendorf widmen wir uns Mikronarrativen im (peripheren) Stadtraum und reflektieren damit die Auswirkungen von historischen und aktuellen Migrations- und Fluchtbewegungen auf die Stadtentwicklung und die Produktion öffentlicher und gebauter Räume.

Entwickelt in enger Zusammenarbeit mit lokalen Bewohner*innen und mit im Bezirk aktiven Akteur*innen entstehen Audiokompendien migrantischer Erzählungen: Stimmen, Soundfragmente und Klänge aus den zwei Berliner Stadtteilen artikulieren, lokalisieren, sammeln und beleuchten unterrepräsentierte Aspekte der neoliberalen Stadtraumproduktion Berlins und zeigen die Interaktion zwischen kollektiven Erzählungen und deren Repräsentation im urbanen Raum auf.

Der Audio-Walk ist als künstlerisches Format zu verstehen, der die Zuhörenden interaktiv leitet, involviert und die Stadt als soziokulturelles und materielles Gefüge vermittelt. Mit einer digitalen Open-Source-Anwendung (App) spazieren die Teilnehmenden durch die Stadt und hören während des Gehens Klangmaterial – z.B. O-Ton-Ausschnitte aus Interviews mit Bewohner*innen, sowie Stadtklänge, Musik, Hintergrundinformation – und tauchen so in den vielschichtigen Kontext des Ortes und die Lebenswelten der Bewohner*innen ein.

Die Überlagerung von Gehörtem, Gesehenem und Erlebtem zeichnet migrantische Geschichte(n) auch räumlich nach, eröffnet neue Betrachtungsweisen und stimuliert so die dringend notwendige gesamtstädtische Debatte zu nachhaltigem Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft.

Dieses Projekt richtet sich an ein breites lokales und überregionales Publikum und verbindet interdisziplinäre Ansätze an der Schnittstelle zwischen Kunst, digitalen Medien und Urbanismus. Der Audio-Walk als Vermittlungs- und Dokumentationsformat kann im Bezirk, aber auch darüber hinaus, zur Verfügung gestellt werden und richtet sich neben Kunst- und Urbanismus- Interessierten auch an Schulen und Einrichtungen der kulturellen und politischen Bildung. Inhaltlich und technisch wird das Projekt von den Autor*innen konzipiert und soll erstmals im November 2020 durchgeführt werden.

Ausschnitt aus einem Audiowalk

https://1drv.ms/u/s!Ai-BMd46MzSegaUYSKCxM6gcCH_sCA

Projektverantwortliche

Dr. Christian Haid (Stadtsoziologe, POLIGONAL, TU Berlin)
Dr. Athanasios Lykartsis (Soundforscher, TU Berlin)
Dr. Ivana Sidjimovska (Künstlerin/Stadtforscherin)
Lukas Staudinger (Stadtvermittler/Architekt, POLIGONAL, University of Applied Sciences Berlin)

Die transdisziplinäre Expertise ist das Kernstück unserer Zusammenarbeit: ästhetische Erfahrung soll mit neuen digitalen Technologien aus der soziokullturellen Perspektive vermittelt werden. Ivana Sidjimovskas Kunstwerke setzen sich kritisch mit Identitäten, Repräsentationen und kollektiver Erinnerung im urbanen Leben auseinander und werden als audio-visuelle Installationen gezeigt. Athanasios Lykartsis forscht zu Audioinhaltsanalyse und wirkt als Experte an künstlerischen Projekten mit. Christian Haid und Lukas Staudinger vermitteln mit stadtbezogene Themen und gehen urbanen sowie architektonischen Fragestellungen in Führungen, Workshops, Seminaren und Forschungsprojekten auf den Grund.

Links

www.ivanasidzimovska.com

www.poligonal.de

www.ak.tu-berlin.de/menue/team/wissenschaftliche_mitarbeiter/athanasios_lykartsis/

 

Berlin, März 2020